Ohne Auto, ohne Fahrrad, angewiesen auf die Dünenfähre – auf Helgoland gehen die Uhren langsamer. Zu Fuß Strände und Klippenweg erkunden, Robben und Basstölpel beobachten, manchmal mit wetterbedingten Schließungen leben. Das alles ist Helgoland! Absolut entschleunigend und trotzdem interessant.
Wohnen auf der Düne
Sooft ich schon auf der Insel war, auf der Düne hatte ich noch nie gewohnt. Eine ganz neue Erfahrung. Da der in den Sanddünen liegende Zeltplatz keine Alternative für uns war, wohnten wir in einem der bunten Bungalows mit Blick auf die Hauptinsel. Klein, einfach, aber sehr schön.
Leider konnten wir die Veranda nur einmal nutzen, weil das Wetter entweder zu kalt und regnerisch oder zu sonnig-heiß war. Dann vermissten wir eine Beschattungsmöglichkeit.
Bei dem einem Mal konnten wir eine Maus beobachten, die vor der Terrasse nach Bröseln suchte. Ansonsten wurden wir morgens immer von Enten begrüßt, die zu uns hereinblickten, kaum dass wir den Vorhang geöffnet hatten. Nur aufpassen mussten wir, um nicht in ihre Hinterlassenschaften zu treten. Gelang leider nicht immer.
Fährverbindung mit der Witte Kliff, dem kleinen Katamaran
Wenn wir zur Hauptinsel hinüberwollten, mussten wir mit der Fähre übersetzen. Sie fuhr alle halbe Stunde von der Insel zur Düne und zurück. Dass es keine festen Abfahrtszeiten auf der Düne gab, lernten wir gleich an unserem ersten Tag.
Die Wartezeit vertrieben wir uns mit Beobachten: Meer, Wolken, Möwen oder Kormorane, die gerade im Hafenbecken auf Jagd waren (zum Video). Im Sturm flüchteten wir uns auch mal in den Aufenthaltsraum am Dünenanleger, wo es eine kleine Robbenausstellung gab.
Autofrei und fahrradfrei
Helgoland heißt zu Fuß gehen. Es gibt zwar ein paar kleine Elektroautos, aber bis auf wenige Ausnahmen gilt Auto- und Fahrradverbot. Selbst das Inselbähnchen fuhr schon immer elektrisch. Damals gab es sogar einen Tunnel in der Straße vom Unter- ins Oberland, weil die Elektrokraft für die steile Straße nicht gereicht hätte. Inzwischen wurde die Straße verbreitert und tiefergelegt, sodass der Tunnel verschwunden ist.
Obwohl die Hauptinsel nur 1 km² groß ist, gibt es viele Wege zum Laufen. Dasselbe gilt für die ein wenig kleinere Düne.
Tierbeobachtungen
Wer Helgoland einen Besuch abstattet, hat viele Möglichkeiten, Tiere in freier Wildbahn zu beobachten, insbesondere Robben und Seevögel.
Seehunde und Kegelrobben
Auf der Düne leben inzwischen ziemlich viele Seehunde und Robben. Mit gebührendem Abstand lassen sie sich gut beobachten. Ich freute mich, sie mit meinem Zoom-Fotoapparat „einzufangen“. Dass wir bei Ebbe auch auf der Hauptinsel auf Robben treffen, damit hatten wir nicht gerechnet.
Eigentlich wollte ich meiner Familie die Westküste und den von dort aus schönen Blick auf die Lange Anna zeigen. Leider war der Bereich wegen Baustelle gesperrt. Doch unterhalb des kleinen Stückchens Molenmauer, das wir erreichen konnten, lagen die Robben. Überraschend aktive Tiere, die sogar mehrfach ihre Stimme hören ließen. Ein bisher einmaliges Erlebnis für mich und ein Ort, von dem wir uns kaum losreißen konnten (zum Video).
Basstölpel
Der Klippenrundweg, der am Rand des roten Felsens entlang rund um die Insel verläuft, führt auch am Lummenfelsen vorbei. Hier brüten unzählige Vögel. Im Frühling/Frühsommer sind das tatsächlich die Trottellummen. Da ich allerdings bisher nur im August auf der Insel war, durfte ich diese Vögel noch nie erleben.
Stattdessen jedoch die vielen Basstölpel. Dass sie an manchen Stellen direkt hinter dem Zaun brüten ist ein ganz besonderes Erlebnis. Unseren Sohn störten Gestank und Lärm der Tiere, er hielt es nicht lange aus. Uns andere dagegen faszinierte es, die großen Vögel so nah zu erleben: Küken im Daunenflauschmantel, größere Jungtiere, die um Futter bettelten, Elternvögel, die schnäbelten, Basstölpel die durch die Lüfte glitten (zum Video). Es gab so viel zu sehen!
Möwen, Austernfischer, Eiderenten und mehr
Möwen sind allgegenwärtig. Besonders Silbermöwen, Heringsmöwen und Dreizehenmöwen. Lachmöwen, wie wir sie in Cuxhaven erlebt haben, gibt es hier keine. Dafür jedoch Seeschwalben, Austernfischer, Eiderenten, Kormorane und andere mehr.
In einem der Süßwasserteiche auf der Düne gelang es mir trotz des dichten Bewuchses, eine Schildkröte zu entdecken.
Als wir einmal auf der Terrasse des Dünenrestaurants saßen, beobachteten wir einen Austernfischer, der immer wieder zur Tür hineinlief, dort etwas pickte und wieder herauskam. Zum Abschiedsessen gingen wir erneut ins Dünenrestaurant und saßen wegen Regens drinnen. Dabei erfuhren wir: Es war ein Austernfischerpärchen, das quasi zu Haustieren des Restaurants geworden war: Charlie und Socke (zum Video).
Wer noch mehr über Vögel erfahren möchte, kann die Helgoländer Vogelwarte besuchen oder eine Führung am Lummenfelsen buchen.
Ausflug an den Nordstrand
Eigentlich ist der Nordstrand der Hauptinsel nicht besonders schön, steinig und voller Algen. Doch es gibt eine Besonderheit: Seeglas.
Schon früher hatten meine Geschwister und ich die von Wellen und Wasser glattgeschliffenen Glas- und Keramikscherben gesammelt. Insbesondere die ganz kleinen Glassteinchen hatten es mir angetan. Jetzt wollte unser Großer sammeln. Ein paar Tage später, bekam ich seine Ausbeute als Deko zu meinem Geburtstagsgeschenk 😊.
Der Weg von der Uferpromenade zum Nordstrand hat einiges zu bieten:
- Einen mir noch unbekannten Spielplatz neben der Lesehalle (Bücherei).
- Das Aquarium war abgerissen worden und gerade Baustelle. Das bedauerte ich sehr, weil es gerade bei schlechtem Wetter ein tolles Ausflugsziel gewesen wäre. Es soll aber neu gebaut werden.
- Das Meerwasserschwimmbad wurde komplett umgestaltet. Leider hatten wir keine Zeit, es während unseres Aufenthalts zu besuchen.
- Dass es hier Trampoline und eine Minigolfanlage gibt, hatte ich ganz vergessen.
- Auch an das Helgoland-Museum konnte ich mich nicht erinnern.
- Und wie das Kino in der Nordseehalle „funktioniert“ habe ich bis heute nicht kapiert.
- Auf der Nordostmole standen jetzt gepolsterte Palettenbänke. Mein Mann blieb gerne hier sitzen und ließ uns allein zum Nordstrand weitergehen.
- Ein aufgestellter Strandgutsammelkorb bewog mich, am Nordstrand gefundenen Müll einzusammeln. Eine gute Idee, wenn alle auf einfache Weise mithelfen können, die Insel sauber zu halten!
Einkaufen mit wetterbedingten Schließungen
Dass auf Helgoland die Uhren tatsächlich anders gehen, erlebten wir auch an den spontanen Schließungen. War das Wetter nicht gut genug, blieb die Eisdiele geschlossen. Bei noch schlechterem Wetter schloss auch schon mal das Dünenrestaurant. Die vielen Touristenläden öffneten erst gegen Mittag, wenn die Tagesgäste ankamen.
Wenigstens waren die Öffnungszeiten des kleinen Edeka-Marktes verlässlich. Als Einkaufstasche verwendeten wir eine unserer großen Reisetaschen. So mussten wir die schweren Wasserflaschen nicht tragen. Dumm nur, dass die das Toastbrot halb plattquetschten.
Was ich vermisste
Früher wurde der Musikpavillon am Landungssteg öfter genutzt. Es war entspannend gewesen, auf der Uferpromenade Musikdarbietungen lauschen zu können. Besonders liebten wir die Auftritte der Halunner Songers, einem Shanty Chor, der inzwischen nur noch selten auftritt. Manchmal hatte dabei auch der Helgoländer Trachtenverein alte Tänze aufgeführt.
Was es schon länger nicht mehr gibt, ich diesmal aber erstmalig selbst erlebte, waren die nicht mehr auf Reede liegenden Schiffe. Das Ankern vor der Insel mit dem Aus- und Einbooten war etwas, das Helgoland besonders gemacht hatte. Jeden Tag hatten wir uns gefragt: Wie viele Schiffe kommen wohl heute? Und der Anblick war einfach malerisch!
Kennt ihr auch perfekte Orte für Entschleunigungsurlaub?
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