Hurra, das Meer ist weg! Wenn schon erzwungener Cuxhaven-Urlaub, dann wollten wir auch mal richtig wat(t) erleben! Und tatsächlich – die Faszination Nationalpark Wattenmeer zog uns in ihren Bann.
Mit Wohnwagen wären wir nie auf die Idee gekommen, eine ganze Woche in Cuxhaven zu verbringen. Eine wirklich tolle Woche, die wir nicht missen möchten. Trotz des wechselhaften Wetters.
Hurra, das Meer ist weg!
Was mich vor vielen Jahren bei einem kurzen Abstecher an den Nordseestrand enttäuscht hatte, freute mich jetzt: Das Meer war weg!
Der erste Weg nach Ankommen in der Ferienwohnung führte uns an den Strand, und hurra – das Meer war weg! Ich hatte mir Watt gewünscht und bekam sogleich Watt.
Hinein trauten wir uns allerdings nicht weit. Schuld daran waren unser unpassendes Schuhwerk und das regnerische Wetter. Schließlich wollten wir uns nicht alle die Schuhe einsauen, wie es unserem 12-Jährigen „gelang“.
Willkommens-Dusche
Lange hielten wir uns nicht am Strand auf. Eine dicke schwarze Wolkenwand zwang uns zum Umkehren, ließ uns aber nicht genügend Zeit. Auf einmal öffnete sie ihre Schleusen und ergoss Unmengen an kühlem Nass über uns. Im Nu waren unsere Hosen pitschnass und unsere Schuhe durchweicht.
Und wie sollten wir ohne Google Maps zurückfinden? Der Touchscreen am wasserdichten Handy ließ sich mit nassen Fingern nicht mehr bedienen!
Irgendwie fand mein Mann den Weg trotzdem. Ich dackelte unter meinem Schirm versteckt wie blind hinterher. Nur die Beine der vor mir Laufenden dienten mir als Wegweiser.
Wenigstens hatten wir in der Ferienwohnung mehr Möglichkeiten die nassen Sachen zu trocknen, als wir es im Wohnwagen gehabt hätten. Noch tags drauf hingen sie an offenen Schranktüren und über Stuhllehnen.
Watt: Eine sandig-schlammige Angelegenheit
Am nächsten Tag waren wir besser gerüstet. Wir zogen unsere Neoprenschuhe an, um durchs Watt zu laufen. Fast überall war der freigelegte Meeresboden fest. Es gab aber auch Stellen, an denen er ziemlich schlammig war. Da durchzubaatzeln machte unserem Sohn am meisten Spaß.
Noch viel schöner war es, barfuß über den sandigen Boden mit den warmen Wasserlachen zu laufen. Es gab weder übermäßig viele Krebse, noch Muschelbruch. Hinterher war einer der Fußwaschstationen auf der Strandpromenade unsere erste Anlaufstation.
Wat(t) ist das weitläufig!
Am meisten faszinierte mich die unendlich weite Fläche, die das Watt bildete. Der Wind trieb das verbliebene Wasser vor sich her – ich musste aufpassen, dass mir nicht schwindelig wurde.
Nur einmal wagten sich mein Großer und ich etwas weiter hinaus. Wir hielten uns dabei an die Wattmarkierungen.
Besonders malerisch wurde es, wenn die nasse Wattfläche bei den richtigen Lichtverhältnissen zu einem großen Spiegel wurde. Von diesem Anblick konnte ich mich kaum losreißen.
Wie schnell das Wasser ist!
Gerade war es noch da, Minuten später war das Wasser weg. Wir konnten zusehen, wie es sich zurückzog und ihm auf den ins Meer ragenden Deichen ein wenig folgen.
Bei der Wattwanderung war es andersherum. Das Wasser trieb uns vor sich her in Richtung Strand. Von zwei Seiten kam die flache braune Wasserfront auf uns zu. Solange wir in Bewegung blieben, konnten wir ihr „davonlaufen“, auch in gemütlichem Schritt. Blieben wir stehen, umspülte es im Nu unsere Knöchel, kurz darauf bereits unsere Waden. Da waren wir aber schon fast zurück am Strand.
Wattwanderung
Eine geführte Wattwanderung durfte natürlich nicht fehlen. Ein sehr sympathischer Rentner führte uns ins Watt und erzählte uns mit großer Begeisterung alles Wissenswerte über dieses einzigartige Naturwunder und ging mit viel Empathie auf die Kinder ein.
Wir durften
- einen Wattwurm und einen Wattkrebs kennenlernen
- scharfkantige Seepocken befühlen
- wie die Möwen nach Muscheln graben und ihnen dann zuschauen, wie sie sich wieder im Sandboden verbuddelten
Über das Wattenmeer erfuhren wir:
- gehört zum UNESCO Weltnaturerbe
- ist seit 40 Jahren Nationalpark
- wie viele und welche Lebewesen in einem Quadratmeter Wattboden leben, z.B. Strandschnecke und Wattschnecke, Wattwurm und „Gummibandwurm“
- wie man männliche und weibliche Wattkrebse unterscheidet
- dass die im Watt steckenden Zweigbündel Priggen heißen und den Weg zum Strand markieren
- dass es Rettungsbaken gibt, auf die man sich vor der Flut retten kann, wenn man es nicht rechtzeitig zurück an den Strand schafft
- dass die Lachmöwen so heißen, weil sie in Wasserlachen nach Nahrung suchen (wobei das nicht die einzige Herleitung des Namens ist)
- dass am Strand ein oranger Ball gehisst wird, wenn es für die Wattwanderer Zeit zur Rückkehr ist
- dass man an manchen Stellen bis zum Knie oder sogar tiefer im Wattboden versinken kann
Wind und Wetter
Schade bei diesem Urlaub war das Wetter. Es war sehr windig und regnerisch. Und wenn mal die Sonne rausschaute, mussten wir als Windbreaker trotzdem die Regenjacken tragen. Wie sollten wir unter diesen Umständen genügend Vitamin D tanken?
Der heftige Nordseewind wirbelte am Strand die Sandkörner auf, die wie feine Nadeln gegen unsere nackten Waden peitschten. Auf der Strandpromenade bekamen wir die Sandkörner in Augen und Mund. Einmal knirschte es noch 2h später zwischen meinen Zähnen.
Und immer wieder heftige Regenschauer. Dann mussten wir in unserer Ferienwohnung die Dachflächenfenster geschlossen halten, sodass die in der Wohnung gesammelte Hitze nicht rauskonnte. Einmal legte der Starkregen sogar das Internet lahm.
Der kräftige Wind bewog uns dazu, den Kindern Lenkdrachen zu kaufen und sie am Strand steigen zu lassen. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten funktionierte das ganz gut und machte großen Spaß.
Strand-Erlebnisse
Vom Strand aus konnten wir die Insel Neuwerk liegen sehen. Bei Ebbe kann sie mit Pferdekutschen und sogar zu Fuß erreicht werden (nur mit Wattführer!).
Richtung Elbe liegt die Grimmershörnbucht. Hier besteht der Strand aus Liegewiese. Vom Deich aus hatten wir eine wunderschöne Aussicht über die gesamte Bucht.
Dass der Zugang zum Strand kostenpflichtig ist, merkten wir erst an unserem vorletzten Tag. Da war das Wetter endlich so gut, dass Kassierpersonal vor Ort war. Wir mussten jedoch nur die Gästekarten vorzeigen und durften passieren.
Mit Rücksicht auf Ferdinand fuhren wir teilweise mit dem Auto von der Ferienwohnung bis auf einen Parkplatz hinterm Deich. Diese sind alle kostenpflichtig.
Trotz interessanten ersten Watterlebnissen war es unserem Jüngeren bald langweilig. Ihn entschädigten wir dann mit Eis und gönnten uns natürlich ebenfalls eines.
Nachdem wir so oft Watt erlebt hatten, begaben wir uns einmal explizit bei Flut an den Strand. Schwimmen ist aber auch dann kaum möglich. Zumindest nicht in Strandnähe. Dazu ist das Wasser zu flach. Als riesiges Planschbecken für kleine Kinder ist es dafür ideal.
Was Cuxhaven außer Strand und Watt noch zu bieten hat, erzähle ich euch im nächsten Beitrag.
Habt ihr auch schon Watt-Urlaub gemacht? Wie hat es euch gefallen und welche Erlebnisse hattet ihr?
Lasst es uns in den Kommentaren wissen!







