Camping mit Katzen: Geht das? Immer öfter sieht, hört und liest man von Leuten, die ihre Katzen auf Campingreisen mitnehmen. Wir haben es ebenfalls ausprobiert und unsere beiden Katzen mit auf einen Kurztrip im Wohnmobil genommen. Lest unser ehrliches Fazit.
Inhalte
Darf ich vorstellen?
Katzenabteil im Wohnmobil
Wohnmobilfahrt mit Katzen
Hinfahrt
Heimfahrt
Mit Katzen auf die Hundewiese
Neugierige Nachbarn
Anstrengender erster Nachmittag
Erste Wohnmobilnacht mit Katzen
Katzenreisetag 2: Entspannter Tag mit Rasenmäher-Panik
Zweite Wohnmobilnacht mit Katzen
Spaziergang mit Katze und Riesentraktor-Begegnung
Fressverhalten
Unser Fazit
Darf ich vorstellen?
Das sind unsere beiden Mädels, 9 Monate alt:
Fremden Menschen gegenüber sind beide scheu und zurückhaltend.
Katzenabteil im Wohnmobil
Das untere Stockbett haben wir zum Katzenzimmer umfunktioniert:
- Mit robustem Teppich auf der Bodenplatte, der auch als Kratzteppich nutzbar ist.
- Mit Katzenklo, Katzenstreumatte, kleinem Kratzbaum, Kratzpappe, Kuschelhöhle und Platz für die Transporttasche.
- Mit Katzenschutznetz auf beiden Seiten. An der Fensterseite, weil die Außenwand zugleich die Klappe des Staukastens ist, und innen an verschiebbaren Aluschienen zum Auf- und Zumachen befestigt.
Wie wir die Katzen auf ihren ersten Wohnmobiltrip vorbereitet haben, erzähle ich euch in einem eigenen Beitrag.
Wohnmobilfahrt mit Katzen
Hinfahrt
Abgesehen davon, dass es v.a. Kiko nicht gefiel, eingesperrt zu sein, maunzte sie auf der Hinfahrt in einer Tour. Die Fahrt zur Haldenmühle ins Allgäu dauerte 2 Stunden. Wenn wir stehenblieben, schien alles in Ordnung zu sein, sobald wir weiterfuhren ging das Gejammere weiter. Vom Sitzplatz in der Sitzgruppe aus konnte ich nach hinten fassen, um sie durchs Netz hindurch zu kraulen. Half nur kurzzeitig. Irgendwann bemerkte ich, dass sie sogar hechelte. Ein eindeutiges Zeichen von Stress. Demzufolge war auch für mich die Hinfahrt alles andere als entspannend.
Tigerle dagegen kauerte auf der Transporttasche und hoffte im Stillen, dass „das Grauen“ bald vorbei war. Gegen Ende der Fahrt urinierte sie dann auf die Katzenstreumatte vor dem Katzenklo. Wie gut, dass die Matte wegen ihrer wabenartigen Oberfläche die Flüssigkeit halten konnte. Ein Hoch auf den Insta-Post, der uns auf diese Art der Katzenstreumatte aufmerksam gemacht hatte!
Heimfahrt
Die Heimfahrt am übernächsten Tag verlief deutlich besser. Nur noch von Zeit zu Zeit maunzte Kiko oder versuchte aus dem Netz auszubrechen. Lange Strecken war sie ruhig und hielt sich auch vom Netz fern. Sie hechelte nicht (soweit ich das mitbekam), obwohl wir diesmal nonstop durchfuhren. Tigerle lag wieder auf der Transporttasche, schaute zum Fenster hinaus und zeigte keine direkten Stresssymptome.
Mit Katzen auf die Hundewiese
Wir hatten bei unserer Platzreservierung die Katzen angekündigt. Ergebnis: Katze = Haustier, also ab auf die Hundewiese 🙈.
Zum Glück gab es einen Ausweichplatz auf der anderen Wegseite. Der war zwar recht eng, aber wir einigten uns mit den Stellplatznachbarn, dass wir uns direkt vor ihr Vorzelt stellen durften. (Sie waren die nächsten Tage eh nicht da und laut Stellplatzmarkierung standen wir sogar innerhalb unserer Grenzen.)
Auf diesem Stellplatz waren die Hunde weit genug weg. Nur einer bellte 2x vom anderen Ende der Wiese herüber.
Neugierige Nachbarn
Wir kamen mittags am Campingplatz an. Nach dem Gespräch mit den Stellplatznachbarn, waren sie natürlich neugierig auf unsere Katzen. Für die Katzen war es nach der stressigen Fahrt dagegen wenig hilfreich, als Ferdinand die Stauklappe öffnete und neben ihm zwei fremde Gesichter direkt vor ihrem Katzenabteil auftauchten.
Kiko sprang deshalb sofort heraus, sobald ich das innere Netz öffnete. Dabei verteilte sie feuchte Tapper im Wohnmobil – die vollgebieselte Katzenstreumatte hatte ihr als Absprungrampe gedient. Ich eilte ihr mit Lappen hinterher.
Während Kiko durchs Fahrerhaus stromerte, verkroch sich Tigerle erst einmal unter dem Tisch und anschließend im hintersten Eck des oberen Stockbetts.
Kinder von anderen Campern schauten ebenfalls vorbei, doch die Katzen waren noch nicht bereit für Streicheleinheiten. Selbst am nächsten Tag funktionierte das Streicheln nur, weil ich Tigerle hielt und selbst streichelte. Da konnten auch die Kinder sie mitstreicheln. Allerdings merkten wir schnell, dass es beiden Katzen zu viel wurde. Ferdinand verfrachtete sie kurzerhand zurück ins Wohnmobil, wo sie ihre Ruhe hatten. Drei Kinder auf einmal waren dann doch zu viel gewesen.
Kinder von anderen Campern schauten ebenfalls vorbei, doch die Katzen waren noch nicht bereit für Streicheleinheiten. Selbst am nächsten Tag funktionierte das Streicheln nur, weil ich Tigerle hielt und selbst streichelte. Da konnten auch die Kinder sie mitstreicheln. Allerdings merkten wir schnell, dass es beiden Katzen zu viel wurde. Ferdinand verfrachtete sie kurzerhand zurück ins Wohnmobil, wo sie ihre Ruhe hatten. Drei Kinder auf einmal waren dann doch zu viel gewesen.
Anstrengender erster Nachmittag
Trotz stressiger Fahrt drängte Kiko bald nach dem Ankommen hinaus. Mit Geschirr und Leine ließ ich sie die Umgebung erkunden. Als sie einen der Hunde erblickte, erschrak sie und flitzte sofort außer Sichtweite. Ich war also mit Katze beschäftigt, während mein Mann den Aufbau allein erledigen musste.
Als wir uns zum Mittagessen setzten, banden wir Kikos Leine fest. Wirklich Ruhe hatten wir aber nicht. Ständig verhedderte sie sich in den Stuhlbeinen. Da kam uns das Wetter mit leichtem Regen zu Hilfe. Während der Schauer Kiko ins Wohnmobil trieb, konnten wir unter der Markise endlich in Ruhe essen.
Tigerle blieb den ganzen Nachmittag in ihrem Wohnmobil-Eck. Erst am Abend war auch sie bereit, einen kurzen Abstecher mit Geschirr und Leine vors Wohnmobil zu machen.
Kiko dagegen wollte mehr von der Umgebung erkunden. Bis zum nahen Bachufer folgten wir ihr. Erst Ferdinand, später ich. Dazwischen schlief sie im Wohnmobil, Zeit, in der mein Mann und ich eine Runde im Naturbadeweiher schwimmen konnten.
Auf ihren Erkundungsgängen wäre Kiko am liebsten immer tiefer ins Gebüsch gekrochen. Ständig musste ich sie mit Hilfe der Leine davon abhalten irgendwo drunter zu schlüpfen. Das empfand ich als ziemlich anstrengend, zudem ich ungeschützt der wieder scheinenden Sonne ausgesetzt war. Und es war alles andere als einfach, die Katze zurück zum Wohnmobil zu locken.
Wenigstens das Abendessen verlief entspannt. Kiko lag irgendwo im hohen Gras am Rand des Stellplatzes und muckste sich nicht.
Erste Wohnmobilnacht mit Katzen
Eigentlich hatten wir vorgehabt, die Katzen über Nacht im Katzenabteil einzusperren. Doch wir fürchteten, dass sie mit Kratzen und Maunzen dagegen protestieren würden.
Da sie sich offenbar im Fahrerhaus wohlfühlten, verzichteten wir auf die Außenisoliermatte und ließen sie ihre Schlafplätze selbst wählen. Tatsächlich schliefen sie auf Fahrer- und Beifahrersitz. Im Morgengrauen schauten sie bereits nach draußen und maunzten. Und eine spazierte quer über unser Bett (umgebaute Sitzgruppe), um zum Katzenklo zu gelangen. Ich hatte weder das eine noch das andere mitbekommen. Nur das Scharren im Katzenstreu war in mein Bewusstsein vorgedrungen.
Insgesamt war es eine erstaunlich ruhige Nacht gewesen. Und es war bereits 7:30 Uhr, bis wir aufstanden, 1,5 Stunden später, als die Katzen sonst ihr Frühstück bekommen.
Katzenreisetag 2: Entspannter Tag mit Rasenmäher-Panik
Tag 2 war deutlich entspannter als der Anreisetag. Die Katzen waren abwechselnd draußen und drinnen. Draußen angeleint, mit einem Bewegungsradius von ca. 3 Metern rund um den Hering, an dem wir die Leinen eingehakt hatten. Kiko mit ihrem Bewegungs- und Jagddrang sprang leider manchmal ziemlich ins Geschirr. Am Nachmittag passierte das nicht mehr, da hatte sie sich offenbar gemerkt, wie weit sie sich problemlos bewegen konnte. Tigerle war zurückhaltender. Sie zog sich gerne in den Katzenwagen zurück, und beobachtete von dort aus ihre Umgebung.
Wenn die Katzen drinnen waren, waren die Vordersitze ihr bevorzugtes Ruheplätzchen. Tigerle entdeckte nach der Streichel-Attacke der Kinder den Alkoven als Versteck für sich, den sie danach auch gerne als Aussichtsplattform nutzte. Sie war sowieso diejenige, die sich lieber drinnen als draußen aufhielt. Wie daheim. Die Fliegengittertür reichte als Barriere. Nur Kiko mussten wir ab und zu davon abhalten, mit ihren Krallen an die Fliegengittertür zu gehen.
Gerade, als sich Tigerle am frühen Nachmittag mal wieder entschlossen hatte, doch nach draußen zu kommen, kurvte ein Rasentraktor auf das Wiesenstück direkt vor uns, auf dem am Vormittag noch ein Wohnmobil gestanden war. Wir hatten den Mäher schon eine ganze Weile lärmen hören, hatten aber nicht damit gerechnet, dass er so plötzlich direkt vor uns auftauchen würde. Er war so laut, dass der Fahrer Gehörschutz trug. Natürlich gerieten beide Katzen in Panik. Während ich Tigerle problemlos festhalten konnte, gebärdete sich Kiko wie wild, sprang ins Geschirr und zerrte an der Leine. Zum Glück waren wir zu zweit. Zuerst beförderten wir Tigerle ins Wohnmobil. Bei Kiko war das schwieriger, weil sie nach meinen Händen biss und kratzte, als ich sie von der Leine befreien wollte. Aber schließlich war auch sie sicher im Wohnmobil. Was für eine Aufregung!
Zweite Wohnmobilnacht mit Katzen
In der zweiten Nacht fühlten sich die Katzen offenbar schon mehr zu Hause im Wohnmobil. Oder waren nicht genügend ausgepowert. Jedenfalls waren sie abends noch putzmunter, als wir uns schlafen legten. Wir hatten ihnen unter unserem Bett einen Durchgang vom Fahrerhaus nach hinten gelassen, den sie fleißig nutzten. Aber natürlich war auch der Weg über unser Bett eine Option für sie. Einmal sprang mir Kiko auf die Arme, einmal vom oberen Stockbett herunter auf die Füße.
Auch im Morgengrauen begannen sie wieder mit ihren Klettertouren und Kiko spazierte einmal quer über meine Brust. Dazwischen schliefen sie wieder im Fahrerhaus. Das dunkle Tigerle auf hellem Kissen und die weiße Kiko auf dunklem Kissen 😉. Dadurch waren sie sogar im diffusen Nachtlicht zu erkennen. Letztlich konnten wir auch am zweiten Morgen bis 7:30 Uhr ungestört im Bett bleiben.
Spaziergang mit Katze und Riesentraktor-Begegnung
An Tag 3 wollte ich Spaziergang mit Katze testen. Wir gingen zu zweit, jeder mit einer Katze an der Leine. Es funktionierte erstaunlich gut. Allerdings gingen wir nicht weit. Ich wollte nicht riskieren, dass der Rückweg zum Problem wurde.
Während Ferdinand kein Interesse an einem längeren Spaziergang hatte und mit Tigerle am Stellplatz blieb, machte ich mich mit Kiko nochmals auf den Weg. Tigerle sah uns sehnsüchtig hinterher. Sie wäre durchaus gern mitgekommen. Stattdessen nahm ich den Katzenwagen mit. Als Backup und Schutzort für Kiko.
Wir spazierten erst über einen Feldweg, dann über ein Stück der Zufahrtsstraße des Campingplatzes und bogen dann wieder auf einen Feldweg ein. Zum Glück ohne Begegnungen. Es funktionierte super. Kiko lief überwiegend am Weg, schnüffelte mal hier und mal dort am Rand. Natürlich musste ich manchmal verhindern, dass sie zu tief ins Gebüsch oder den Abhang hinunterlief.
Der geschotterte Weg führte uns hinunter zur Iller. In Flussnähe packte ich Kiko das erste Mal in den Wagen, als das am Ufer stehende Flatterband in einer heftigen Windböe zu lärmen begann und Kiko erschreckte. Obwohl sie den Bach am Campingplatz so spannend gefunden hatte, wollte sie vom Wasser der Iller nichts wissen. Umkehren wollte sie aber auch noch nicht. Dazu entschloss sie sich erst, als sie am anderen Ufer zwei Männer entdeckte.
Auf halber Höhe den Weg hinauf passierte es dann. Ich hörte ein Brummen. Ohne zu wissen, woher es kam, packte ich Kiko, die zum Glück gerade neben mir lief, setzte sie in den Wagen und schloss das Verdeck. Zwei Sekunden später kam ein Traktor um die Wegbiegung, ein riesiges Teil mit Anhänger, das die gesamte Breite des Weges einnahm. Wohin ausweichen? Rechts vom Weg stieg das Gelände steil an, links von mir fiel es steil ab.
Ich drehte den Wagen Richtung Abgrund, drückte mich selbst dicht an den Stamm eines Baumes am Abhang. Die Hinterreifen des Katzenwagens standen auf den 30 cm zwischen Abhang und Weg, die Vorderreifen schwebten in der Luft.
Der Traktor mit seinen mannshohen Rädern passte ganz gut an uns vorbei. Der Anhänger dagegen war breiter. In vielleicht 20 cm Entfernung rollten die immer noch schulterhohen Doppelreifen an mir vorüber. Von Kiko hatte ich in der ganzen Zeit nichts gehört. Wie gut, dass ich den Wagen dabei und so schnell reagiert hatte! Ohne ihn hätte ich sie mit Sicherheit nicht halten können!
Ich nutzte den Wagen am Rückweg noch weitere Male:
- Für des letzte Stück den Berg hinauf, als unten im Tal das Lärmen des Traktors zu uns heraufdrang, der mit seinem Anhänger dort die Wiese düngte und Kiko erneut Angst machte.
- Für das kurze Stück über die Straße zurück zum anderen Feldweg. Es begegnete uns zwar wieder niemand, doch kurz danach, kam ein Auto vorbei. Kiko sauste davon, so weit die Leine es zuließ. Danach duckte sie sich in die Wiese. Das ging so schnell, dass das Auto weg war, bevor ich irgendetwas tun konnte.
- Für das allerletzte Stück zurück zum Stellplatz. Kiko hatte nämlich sehr gezögert, als sie die Wohnwagen und Menschen erblickt hatte.
2,8 km und 40 Minuten war ich mit ihr unterwegs gewesen.
Fressverhalten
Am Fressverhalten merkten wir am Deutlichsten, dass beide Katzen nicht wirklich entspannt waren. Sie fraßen deutlich weniger, vor allem vom Nassfutter. Das hielt auch noch kurz an, als wir wieder daheim waren. An den Wassernapf gingen sie überhaupt nicht, während sie daheim wenigstens ab und zu daraus trinken.
Unser Fazit
Camping mit Katzen ist möglich, aber nicht ideal. An das Fahren können sie sich sicherlich gewöhnen. Das merkten wir auf der deutlich besser verlaufenen Heimfahrt.
Mit Tigerle würde es vielleicht noch gehen. Sie ist ruhiger, genügsamer, bleibt gerne drinnen und bewegt sich auch daheim als Freigängerin nicht weit weg von ihrem Zuhause. Mit Kiko und ihrem Temperament ist das schwieriger.
Überhaupt eignet sich das schreckhafte Wesen, der Fluchttrieb, der Bewegungsdrang und Freiheitsdrang von Katzen nicht gut für Leinenhaltung. Auch für uns als Halter bedeutet die Anwesenheit der Katzen, unser Campingverhalten an die Bedürfnisse der Katzen anzupassen, bisherige Campingroutinen abzuändern.
Einen Kurztrip zu zweit mit Katzen können wir uns wieder vorstellen. Einen längeren Urlaub zu viert und mit Katzen dagegen nicht.
Habt ihr eure Katze(n) schon mal mit zum Campen oder in den Urlaub genommen? Wie ging es euch damit? Würdet ihr es wiederholen oder macht ihr es bereits regelmäßig? Lasst uns an euren Erfahrungen teilhaben!












