Eine tiefe, mit Bäumen gesäumte Schlucht, naturbelassen, wildromantisch, mystisch. Ein gekiester Treppen-Wurzel-Weg entlang eines eisgrünen Flusses mit Wasserspielmöglichkeiten, kleinen Wasserfällen und Strudellöchern. Und Millionen Jahre alte Gesteinsschichten, freigelegt durch die Wasserkraft der Oberen Argen. Das ist der Eistobel. Ein schönes Wander-Ausflugsziel im westlichen Allgäu.
Was ist der Eistobel?
Als ich das Wort „Eistobel“ das erste Mal hörte, konnte ich damit überhaupt nichts anfangen. Auch nachdem ich erfuhr, dass es sich dabei um eine tiefe Schlucht handelt, durch die ein Fluss fließt, fragte ich mich, warum es dann nicht Klamm heißt.
Was ist ein Tobel?
Im Gegensatz zu einer Klamm, deren Wände aus senkrechten Felsen bestehen, ist ein Tobel ein V-förmiger Taleinschnitt. Der Begriff „Tobel“ wird regional, häufig im westlichen Voralpenland genutzt.
Warum Eis-Tobel?
Eigentlich müsste die Schlucht „Argentobel“ heißen, denn der Fluss, der den 50 Meter tiefen Taleinschnitt gegraben hat, heißt Obere Argen. Aber offenbar waren (sind?) die Eisformationen im Winter so beeindruckend, dass sich Eistobel durchgesetzt hat. Da wir im Sommer (2026) dort wanderten, konnten wir dies nicht überprüfen 😉.
Wanderrouten Eistobel
Die Eistobel-Schlucht ist ca. 3 km lang. Es gibt kürzere und längere Rundwanderungen, die den Eistobel miteinschließen, aber auch eine One-Way-Tour von einem zum anderen Eingang. Da sich unser Campingplatz in Riedholz befand, wählten wir natürlich den Rundweg über Riedholz.
Von Riedholz zum Infopavillon
Teil 1 unserer Wanderung führte uns zum Infopavillon an der Argentobelbrücke und damit zum nördlichen Eingang des Eistobels.
Vom Campingplatz aus mussten wir ein Stück durch Riedholz und bergauf zum westlichen Ortsausgang hinaus. Dort hatten wir gleich den ersten Blick in die Schlucht, eine mit Wald bewachsene Nebenschlucht des Eistobels, durch die der Riedholzer Bach fließt.
Wir folgten brav der Wegbiegung bis zur Hauptstraße („nur Rindviecher laufen über die Wiese“) und nutzten dort den Fahrrad- und Fußweg bis zur Argentobelbrücke.
Von der Brücke aus genossen wir den ersten Blick auf die Obere Argen 50 Meter unter uns.
Nach der Brücke wechselten wir auf die andere Straßenseite und folgten dem Wegweiser Richtung Infopavillon. Er zeigte auf ein Wohnhaus. Rechts davon stand ein Holzgebilde, das der Pavillon hätte sein können, doch die überdachte Terrasse war morsch und vollgestellt mit allerlei Dingen. Hier waren wir definitiv falsch, obwohl auch Google Maps hierher verwies.
Wir probierten es bei Parkplatz P1 und – siehe da – hier entdeckten wir den neuen Pavillon. In der Satellitenaufnahme von Google Maps ist das Bauwerk schon zu sehen, ist aber mit „Öffentliche Toilette“ beschriftet. Ein Teil des Parkplatzes ist als Wohnmobilstellplatz gekennzeichnet.
Einstieg zum Eistobel
Da wir vor 9 Uhr da waren, hatten Kasse und Infopavillon noch geschlossen. Deshalb kauften wir Tickets am Automaten. Wir wollten per Karte zahlen, doch die eine Bankcard verschmähte der Automat und mit der anderen funktionierte auf einmal nichts mehr. Zum Glück erholte sich der Automat nach einer Weile wieder, sodass wir wenigstens bar zahlen konnten. Sogar mit Erhalt von Wechselgeld. Beim Eingang Schüttentobel, am südlichen Ende der Schlucht, gibt der Automat nämlich kein Wechselgeld, hatten wir gelesen.
Wir passierten das Drehkreuz und machten uns über Treppen und einen steilen, mit grobem Kies geschotterten Weg an den Abstieg in die Schlucht. Wir mussten aufpassen, dass wir auf dem Geröll nicht ausrutschten. Ich war froh, meine Kniestützen angezogen zu haben. Auf Wanderstöcke hatten wir diesmal verzichtet und taten deshalb bewusst langsam.
Entlang der Oberen Argen
Unten in der Schlucht war es merklich kühler als oben. Da es ein heißer Sommertag war, war das sehr angenehm.
Der Weg entlang der Oberen Argen war erst einmal breit und verlief fast eben. Der Fluss hatte nur wenig Wasser und ich war verführt, es als langweilig zu empfinden. Wäre da nicht das Lichtspiel der Sonne durch die Blätter gewesen, die das Wasser zum Glitzern brachte, Kühe am anderen Ufer und die Argentobelbrücke, die hoch über uns den Taleinschnitt überspannte. Ein frisch umgestürzter Baum lag quer über dem Fluss – seine Blätter waren noch nicht einmal verwelkt. Wilde Natur pur.
An einer Flussbiegung war endlich der Zugang zum Wasser möglich. „Streuwiese“ hieß der Ort, an dem mehrere Picknickgruppen zum Pausieren und Verweilen einluden. Große Kiesbänke, seichtes, gemächlich dahinfließendes Wasser bot Kindern die perfekte Möglichkeit, im Wasser zu spielen. Ich konzentrierte mich mehr auf die Natur und freute mich über Schmetterlinge und Blumen.
Kleine Wasserfälle und erste Strudellöcher
Kurz darauf erreichten wir die ersten Wasserfälle, wieder mit einigen Picknickgruppen. Das Flussbett war an dieser Stelle deutlich breiter. Über mehrere kleine Stufen floss das Wasser über felsigen Kiesboden in runde Wasserbecken. Ich fragte mich, ob der Wasserstand immer so niedrig war oder ob es Zeiten gab, in denen das gesamte Flussbett überflutet wurde.
Die Art des Flussbettbodens faszinierte mich: kein glatter Fels, sondern durch den Druck von Jahrmillionen fest zusammengebackener grober Kies, sogenanntes Nagelfluhgestein.
In größeren Strudellöchern soll hier der Eisvogel jagen. Wir bekamen ihn leider nicht zu Gesicht.
Großer Wasserfall und Engstelle
Ab hier wurde die Schlucht schmaler. Der Weg führte über Treppen und Wurzeln teils kräftig nach oben. Ein extra Aussichtspunkt ermöglichte uns einen guten Blick auf den verhältnismäßig kleinen großen Wasserfall. Die Bäume am Wegrand waren von Moosen überwuchert und erzeugten eine verwunschene Atmosphäre.
Der Weg verlief nun etliche Meter oberhalb des Flusses, drängte sich streckenweise in Form einer Holzbrücke dicht an die Gesteinsmauer. Eine Felswand, die aussah, als bestände sie aus grobem Kies, der mit Beton vermischt worden war. Kein Wunder, dass dieses Nagelfluhgestein umgangssprachlich „Gottesbeton“ genannt wird. Erdgeschichte zum Anfassen, denn dieser Schotter wurde vor ca. 35 Millionen Jahren durch Wasser aus den entstehenden Alpen geschwemmt. Zusammen mit Sand- und Tonschichten bildet es die Molasse, durch die sich die Obere Argen in den letzten 15000 Jahren ihren Weg gegraben hat.
An der engsten Stelle des Eistobels, hatten sich ganze Berge von Treibgut angesammelt. Ein sichtbares Zeichen unglaublicher Wasserkraft.
Faltenmolasse und Badeverbot
Wildromantisch und wieder näher am Wasser geleitete uns der Weg weiter flussaufwärts. Dann weitete sich das Tal und gab den Blick auf eine schräge Sandsteinwand frei: Molasseschichten, die sich mit der Alpenbildung aufgefaltet hatten.
So sehr die Wasserfläche und die runden Vertiefungen unterhalb der Felsterrassen auch locken mögen, baden ist hier verboten. Zu gefährlich sind die Wasserstrudel, die das hineinströmende Wasser bildet und die Gumpen tiefer ausgehöhlt hat, als von oben erkennbar ist.
Vom Eissteg zurück nach Riedholz
Ein letztes Highlight des Eistobels bildete der Wasserfall unterhalb des Eisstegs, eine Fußgängerbrücke über die Obere Argen. An dieser Stelle trennen sich die Touren.
Wir überquerten über den Eissteg die Schlucht und wandten uns dann Richtung Norden, um nach Riedholz zurückzukehren.
Der Weg stieg teilweise ziemlich steil an, während links von uns das Gelände steil abfiel. Als wir den Rand der Schlucht erreicht hatten, wurden wir von einem kleinen Spielplatz überrascht.
Der restliche Weg führte gemütlich am Waldrand entlang oder durch die Wiesen, in der Sonne ziemlich heiß, aber machbar.
Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Wandertour. Nicht übermäßig schwierig, aber es gibt ein paar steile Wegstücke sowie etliche Treppen- und Wurzelstufen. Feste Schuhe sind angebracht.
Habt ihr Fragen zu unserer Wanderung durch den Eistobel?
Kennt ihr noch andere Wandertouren im Westallgäu, die ihr empfehlen könnt?
Lasst es uns in den Kommentaren wissen!











